Der Test: Ich habe den BH nach Maß ausprobiert - das ist mein Urteil

Der Test: Ich habe den BH nach Maß ausprobiert - das ist mein Urteil

Den perfekt sitzenden BH zu finden, ist laut unserer Autorin Rahel Empl ein Ding der Unmöglichkeit. Dann hat sie sich vom jungen Schweizer Label Myne ihren individuellen BH produzieren lassen. Ein Erfahrungsbericht.

 

Den BH, der perfekt sitzt, gibt es nicht. Irgendwo zwickt und drückt es doch immer. Obschon alle Frauen ihre Grösse kennen, sei es 75 B, 80D oder 90E: Von Label zu Label scheinen diese Grössen – die Zahl steht für die Unterbrustweite, der Buchstabe für die Körbchengrösse – unterschiedlich interpretiert zu werden. So kommt’s, dass man sich in der stickigen Umkleidekabine von einem BH in den nächsten zwängt und doch nichts passt. 

Okay, ein paar wenige Glückliche finden diese eine Marke, die gut sitzt. Das muss ein Heureka-Moment sein. Und dann sind da noch jene Frauen, die wenig Oberweite haben und keinen BH tragen müssen. Ich beneide sie, obschon mir gesagt wird, ich solle froh sein um meine Oberweite. Bin ich nicht, ich träume davon, einmal ohne das Gefühl des Eingeengt-Seins Getestet durch die Welt zu spazieren, gerade im Sommer. Aber das ist unmöglich, besonders beim Sport. Mein Interesse war also geweckt, als ich von «Myne» erfuhr. Das Bündner Start-up fertigt individuelle BHs auf Basis eines KI-Smartphone- Scans, die auf Bestellung produziert werden. Myne brüstet sich damit, eine Retourquote von unter einem Prozent vorzuweisen. Und das in einer Branche, bei der laut dem Kölner Forschungsinstitut EHI durchschnittlich bis zu 50 Prozent zurückkommt. «Wir verstehen uns nicht als Lingerie-Brand, sondern als Tech-Unternehmen für individualisierte Bekleidung», sagt Textilingenieurin Linda Durisch. Mit ihrem Mann Mathias hat sie Myne im vergangenen Jahr gegründet. Es gibt zwar weitere Start-ups, die ähnliche Algorithmen nutzen. Dazu gehört etwa «Cupped» aus Deutschland. In der Schweiz aber haben die Durischs mit ihrem Körperscan und digitaler Präzisionsfertigung ein Alleinstellungsmerkmal. Besonders verlockend: Bei Myne wird auf die klassischen, starren Metallbügel, die so oft drücken, verzichtet. Stattdessen werden flexible, silikonverstärkte Bügel im BH verarbeitet. Sie kommen aus dem 3D-Drucker. Entsprechend motiviert starte ich den Scan-Prozess. Auf der Homepage gebe ich Alter, Grösse und Gewicht an, wähle danach vier Mal ein Bild des Körpertyps aus, der meinem am nächsten kommt. Anschliessend kommt die Handy-Kamera zum Einsatz. Während ich mich langsam im Kreis drehe, werden 16 Bilder aufgenommen, Gesicht und Hintergrund werden dabei von der Software unkenntlich gemacht. Diese Bilder landen danach ohne Namen in einer Datenbank, wo sie mit über 2000 hochaufgelösten Körperscans abgeglichen werden. Daraus entstehen schliesslich meine ganz eigenen BH-Daten. Das Ganze dauerte bloss drei Minuten. Danach musste ich nur noch die Farbe und das Modell wählen. Es stehen jeweils sechs zur Auswahl, mit oder ohne Pads, mit unterschiedlich starker Stützfunktion. Ein Claim von Myne lautet: Digital gemessen, analog bequem. Dem kann ich, nachdem mein BH nach zwei Wochen im Briefkasten gelandet ist, zustimmen. Das Teil passt gut, die Bügel drücken nicht. Der BH fühlt sich angenehm an, so angenehm, dass ich bisweilen vergesse, dass ich einen trage. Das kostet entsprechend, pro BH 129 Franken. Aber lieber einen besitzen, der sitzt, als zehn, die zwicken und drücken.

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